Ein Hörsturz kommt meist ohne Vorwarnung: Von einem Moment auf den anderen ist das Gehör auf einem Ohr deutlich eingeschränkt oder sogar ganz verschwunden. Für Betroffene ist das oft beängstigend, umso wichtiger ist eine schnelle Reaktion. In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Hörsturz genau ist, welche möglichen Auslöser infrage kommen, wie die Diagnose abläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Außerdem beantworten wir häufige Fragen rund um das Thema.
Was ist ein Hörsturz?
Ein Hörsturz kommt meist völlig unerwartet. Betroffene berichten davon, dass sie plötzlich schlechter hören, manchmal sogar gar nichts mehr. Die Geräusche des Alltags werden dumpf, verzerrt oder bleiben ganz aus. Was viele nicht wissen: Ein Hörsturz liegt nur dann vor, wenn keine erkennbare Ursache für den plötzlichen Hörverlust gefunden werden kann.
Medizinisch handelt es sich um eine sogenannte Schallempfindungsstörung. Das bedeutet, die Ursache liegt im Innenohr, dort, wo Geräusche verarbeitet und in elektrische Signale umgewandelt werden, die das Gehirn interpretieren kann. Genau dieser Prozess ist bei einem Hörsturz gestört: Die Schallwellen kommen zwar an, werden aber nicht mehr korrekt weitergeleitet.
Die Auswirkungen sind dabei sehr unterschiedlich: Manche Menschen hören nur bestimmte Frequenzen, etwa nur tiefe oder nur hohe Töne, nicht mehr. Andere verlieren das Hörvermögen auf einem Ohr nahezu vollständig. Ebenso variieren die Intensität und Dauer der Symptome stark.
Am häufigsten sind Menschen über 50 Jahre betroffen. Bei Kindern tritt ein Hörsturz hingegen nur sehr selten auf.
Je früher der Hörsturz erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Vor allem bei leichten Fällen ist eine vollständige Rückkehr des Hörvermögens möglich. Bei stärkerem Hörverlust kann es jedoch sein, dass das Gehör dauerhaft beeinträchtigt bleibt.
Mögliche Auslöser eines Hörsturzes
Die genauen Ursachen eines Hörsturzes sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Sicher ist nur: Die Störung betrifft das Innenohr, dort, wo akustische Reize in Nervenimpulse umgewandelt werden. Doch warum dieser Prozess plötzlich aussetzt, bleibt ein medizinisches Rätsel.
Einige Fachleute vermuten, dass Stress oder virale Infektionen eine Rolle spielen könnten. Beweise dafür fehlen bislang jedoch. Auch eine gestörte Durchblutung des Innenohrs wird als möglicher Auslöser diskutiert. Deshalb ist gelegentlich auch die Bezeichnung Ohrinfarkt zu hören, eine bildhafte Umschreibung, die auf eine plötzliche Minderversorgung des Innenohrs mit Sauerstoff und Nährstoffen anspielt.
Wichtig zu wissen:
Nicht jeder plötzliche Hörverlust ist automatisch ein Hörsturz. In manchen Fällen liegt eine andere Ursache vor, zum Beispiel die Menière-Krankheit, bei der Betroffene neben Hörverlust auch Schwindel und Tinnitus erleben. Ebenso kann ein gutartiger Tumor am Hörnerv, ein sogenanntes Akustikusneurinom, ähnliche Symptome hervorrufen.
Auch äußere Einflüsse wie ein lauter Knall oder anhaltender Lärm können das Innenohr schädigen. In solchen Fällen spricht man vom Lärm- oder Knalltrauma, nicht vom Hörsturz.
Selbst harmlose Ursachen wie ein Pfropf aus Ohrenschmalz können vorübergehend das Hörvermögen beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Dieser lässt sich in der Regel problemlos durch eine medizinische Reinigung entfernen.
So wird ein Hörsturz diagnostiziert
Wenn das Gehör plötzlich nachlässt, sollte schnell gehandelt werden. In der Regel erfolgt dann eine Überweisung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO). Dort beginnt die Diagnostik mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei geht es um die genaue Beschreibung der Symptome, den Zeitpunkt des Auftretens sowie mögliche Auslöser wie etwa ein lauter Knall.
Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen des Gehörs.
Zu den häufig eingesetzten Methoden zählen:
Ohrspiegelung: Dabei wird der Gehörgang inspiziert, um sichtbare Veränderungen oder Verstopfungen auszuschließen.
Hörtests: Sie geben Aufschluss darüber, wie stark der Hörverlust ausgeprägt ist und welche Frequenzen betroffen sind.
Tympanometrie: Mit einer Messsonde werden das Trommelfell und das Mittelohr untersucht, zum Beispiel auf Belüftungsstörungen oder Flüssigkeitsansammlungen.
Untersuchungen des Innenohrs: Hierbei wird geprüft, ob Haarzellen oder der Hörnerv beeinträchtigt sind.
Um andere mögliche Ursachen auszuschließen, folgen häufig zusätzliche Tests, etwa Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT). Gerade bei Kindern, die nur sehr selten an einem Hörsturz leiden, wird besonders gründlich nach alternativen Erklärungen gesucht.
Finden sich trotz aller Diagnostik keine eindeutigen Auslöser, lautet die abschließende Diagnose: idiopathischer Hörsturz, das bedeutet, der Hörverlust ist ohne erkennbare Ursache entstanden.
Behandlungsmöglichkeiten bei einem Hörsturz
Wenn eine konkrete Ursache für den plötzlichen Hörverlust festgestellt wird, etwa eine Infektion oder eine zugrunde liegende Erkrankung, richtet sich die Behandlung gezielt danach. In den meisten Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache erkennen. Dann spricht man von einem idiopathischen Hörsturz.
Da es bislang kein speziell zugelassenes Medikament gegen den Hörsturz gibt, basiert die Therapie auf Erfahrungswerten. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab und sollte individuell gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Häufig kommen entzündungshemmende Medikamente wie Glukokortikoide, etwa Kortison, zum Einsatz. Diese sollen mögliche Entzündungen oder Schwellungen im Innenohr reduzieren und die Funktion der Hörzellen stabilisieren. Die Verabreichung kann in Tablettenform erfolgen, über eine Infusion in die Vene oder durch eine Injektion direkt ins Mittelohr. Welche Methode angewendet wird, richtet sich nach dem Ausmaß des Hörverlustes, den betroffenen Tonfrequenzen und bestehenden Vorerkrankungen. Eine besonders hohe Dosierung dieser Medikamente bringt nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keinen zusätzlichen Nutzen, kann aber das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.
Nicht immer ist eine medikamentöse Therapie erforderlich. Wenn der Hörverlust nur gering ausgeprägt ist und das Sprachverständnis im Alltag nicht beeinträchtigt ist, kann auch der natürliche Verlauf abgewartet werden. In vielen Fällen verbessert sich das Hörvermögen mit der Zeit von selbst.
Gelegentlich wird auch eine hyperbare Sauerstofftherapie angeboten. Dabei atmet die betroffene Person in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein. Der Nutzen dieser Methode ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt. Deshalb sollte eine solche Behandlung nur nach sorgfältiger Abwägung und im engen Austausch mit der HNO-Fachpraxis in Betracht gezogen werden – raten die Hörakustiker in Berlin.
FAQ
Wie oft tritt ein Hörsturz auf?
In Deutschland erleiden jährlich schätzungsweise 160 bis 400 von 100.000 Menschen einen Hörsturz. Die tatsächliche Zahl könnte allerdings höher liegen, da viele Betroffene keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, vor allem dann, wenn sich die Symptome rasch wieder bessern.
Ein Hörsturz kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Besonders häufig betroffen sind jedoch Erwachsene ab etwa 50 Jahren. Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen gefährdet. Bei Kindern hingegen ist ein Hörsturz eine absolute Ausnahme.
Was tun bei plötzlichem Hörverlust?
Bei einem plötzlichen Hörverlust ist schnelle Reaktion gefragt. Vereinbaren Sie umgehend einen Termin in einer HNO-Praxis. Eine frühzeitige Abklärung und Diagnose erhöhen die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich.
Ebenso wichtig ist es, in dieser Situation Ruhe zu bewahren. Vermeiden Sie Stress, körperliche Belastung und geistige Überforderung. Denn Stress kann die Symptome zusätzlich verschärfen.
Beginnt die medikamentöse Therapie, etwa mit Kortison, frühzeitig, stehen die Chancen gut, das Hörvermögen wiederherzustellen. Deshalb gilt: Je schneller Sie handeln, desto besser.
Wichtiger Hinweis:
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen in keinem Fall eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer an medizinisches Fachpersonal. Die hier enthaltenen Inhalte dürfen nicht zur Erstellung von Eigendiagnosen oder zur Selbstbehandlung verwendet werden.

